Die Autowelt steht vor großen Problemen

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Ein Gespenst geht um in der Autowelt, es verursacht Albträume und schmiedet unheilige Allianzen, die zu Zeiten der alten Patriarchen nicht einmal in der Theorie denkbar gewesen wären. Nein, es ist nicht der kleine unbedarfte Juso-Chef Kevin Kühnert, der in seinem jugendlichen Leichtsinn die Industrie vergesellschaften will und dabei BMW als erstes Beispiel nannte.

Es ist die ominöse Zahl 95, die alles in Frage stellt. Denn mit dieser Zahl verbinden Manager und Autoexperten zusätzliche Kosten und Strafzahlungen in Milliardenhöhe, die die in der Vergangenheit erfolgsverwöhnten Automobilkonzerne erneut auf einen Schleuderkurs bringen werden. Milliardenkosten und angedrohte Strafzahlungen, für die Rückstellungen gebildet werden müssen, sorgen dafür, dass die hohen Gewinnmargen bald der glorreichen Vergangenheit angehören werden. Die ersten Gewinnwarnungen von Autokonzernen und ihren Zulieferern deuten schon jetzt an, was deren Aktionären in naher Zukunft blühen könnte.
Was hat es mit der Zahl 95 auf sich?
Mit dieser Zahl ist der Kohlendioxidausstoß bei neu zugelassenen Autos in Europa gemeint, der ab 2020 gilt. Neu zugelassene Autos in Europa dürfen demnach ab dem kommenden Jahr nur noch 95 Gramm Kohlendioxid pro gefahrenem Kilometer ausstoßen. Wenn dieser Grenzwert nicht eingehalten wird, drohen drakonische Strafen. Auf die Hilfe der deutschen Politik können die Manager der Automobilindustrie dann nicht mehr hoffen, denn die will sich ihrer Wählerschaft schließlich als Retter des Klimas präsentieren. Und wenn man Umfragen Glauben schenken darf, dann wollen die Menschen einen Beitrag zur Klimarettung leisten – egal, was es am Ende kostet.
Und kosten wird es sehr viel, wenn in dem noch verbleibenden knappen halben Jahr keine praxisnahe Lösung von den Entwicklungsabteilungen der Automobilkonzerne gefunden wird. Auf insgesamt über 33 Milliarden Euro schätzen die Experten des Analysehauses Evercore ISI die zusätzlichen Belastungen, die auf die Automobilindustrie insgesamt zukommen könnten, und liegen damit nicht einmal so sehr von den Erwartungen der Praktiker wie Volkswagen-Chef Herbert Diess, der eine Summe von 30 Milliarden Euro ansetzt, entfernt.
Seit wann existiert die Zahl 95?
Also, dass die Konzerne davon jetzt überrascht wurden, kann man nun nicht gerade behaupten. Aber erst einmal zur Klarstellung: Die Zahl 95 ist nur ein Durchschnittswert. Jeder Automobilkonzern erhielt schon im Jahr 2013 einen Wert für seinen individuellen Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid zugeteilt. Für die Hersteller kleiner Autos liegt das Limit natürlich etwas niedriger, für große Autos wurde die Vermeidung des Ausstoßes höher angesetzt, im Schnitt sind es 95 Gramm. All das ist den Herstellern also schon länger bekannt.
Welche Sanktionen drohen?
Überschreiten die Hersteller die vorgegebenen Grenzen, dann wird es teuer für sie. Die Summe berechnet sich aus den Faktoren neu zugelassene Fahrzeuge im Jahr und dem Schadstoffausstoß, den diese über dem individuell liegenden Wert verursachen. Für jedes Gramm mehr werden 95 Euro pro Jahr Strafe berechnet. Wir sehen hier, es ist kein einmaliger Betrag, mit dem sich die Konzerne freikaufen könnten. Allein für Volkswagen dürften diese Sanktionen laut Evercore ISI auf Basis der bisher vorliegenden Zahlen (heutige Neuzulassungen und Modelle sowie bekannter Schadstoffausstoß) theoretisch immerhin circa 8,6 Milliarden Euro betragen.
Diese Zahlungen müssten den Aktionären erklärt werden, egal, wie hoch sie nun ausfallen. Aus Angst vor den Sanktionen werden jetzt viele neue schadstoffarme Modelle (E-Mobile, Hybridautos etc.) entwickelt und auf den Markt geworfen. Auch Tempokappungen bei 180 Stundenkilometern werden von den Konzernen (Volvo) als probates Mittel angesehen.
Das Problem dabei ist jedoch, dass diese Investitionen fast so hoch sind wie die zu erwartenden Strafzahlungen. Ob der Kunde aber die neu entwickelten Autos überhaupt annimmt, kommt unter anderem auf den Preis des Neuwagens an. Hier werden nicht alle Investitionskosten eins zu eins umgelegt werden können. Auch Preisnachläse werden wohl die Folge sein – ein weiteres Desaster für die Rendite.
Aber wenn der Anleger denkt, damit wäre schon alles ausgestanden, irrt er. Denn bei den 95 Gramm wird es nicht bleiben. Ab 2025 gelten durchschnittlich 81 Gramm, und ab 2030 ist ein Wert von 59 Gramm Schadstoffausstoß bereits beschlossen. Doch auch wenn das Jahr 2030 vorerst das Enddatum darstellt, sollten wir uns nicht darauf verlassen. Schließlich gibt es bis dahin wieder eine neue Politikergeneration mit neuen idealistischen Zielen vor Augen.
Fazit
Die herkömmliche Verbrennertechnik in der Automobilindustrie sollte nun endgültig entsorgt werden. Neue und bezahlbare Technik mit der notwendigen Infrastruktur braucht das Land. Aufgrund der Folgen des Dieseldesasters sollte die Industrie gewarnt sein, es wieder mit Manipulationen zu versuchen. Die Politik wird sie dieses Mal angesichts des wachsenden Umweltbewusstseins in der Bevölkerung nicht mehr schützen (können).

Anleger sind daher gut beraten, die Aktien aller Automobilwerte und ihrer Zulieferer genau zu beobachten. Die Gewinnwarnungen von Daimler, Leoni, Continental & Co. müssen aufhorchen lassen. Lieber einmal zu früh verkaufen als zu spät.

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